Was versteht man unter Konstitutionsbehandlung?

Eine Konstitutionsbehandlung ist angezeigt bei chronischen Krankheiten oder wenn akute Störungen immer wieder auftreten.

Die Konstitution (lat. constitutio = Hinstellung, Einrichtung) entspricht dem Habitus, also dem Gesamterscheinungsbild eines Menschen. Dieses Bild umfasst seine körperlichen, geistigen und seelischen Merkmale.

Bei einer Konstitutionsbehandlung geht es also darum, ein möglichst umfassendes Bild des zu behandelnden Menschen aufzunehmen. Dies geschieht in der Praxis bei der Fallaufnahme (Anamnese) oder eben (im wahrsten Sinne des Wortes) in der Sprechstunde. Eine erste homöopathische Besprechung dauert tatsächlich etwa eine Stunde, meistens sogar eher 1½ bis 2 Stunden. Das wichtigste dabei ist, dass der Patient oder die Patientin über ihre Symptome, Krankheitszeichen und ihr ganzes Wesen spricht. Selbst die Familiengeschichte ist bei der Suche nach einem Konstitutionsmittel von Bedeutung.

Die gesammelten Daten werden analysiert und hierarchisiert, denn nur die charakteristischen, ungewöhnlichen Zeichen und Symptome dürfen für die Mittelwahl berücksichtigt werden.

Mit Hilfe eines Repertoriums (Symptomenverzeichnis) und verschiedenen Arzneimittellehren (Beschreibung der homöopathischen Heilmittel) macht man sich auf die Suche nach einem Arzneimittel, dessen Symptome und Zeichen denen des kranken Menschen am ähnlichsten sind. Gelingt es, solch ein ähnliches Heilmittel zu finden, wird die Gesundheit schnell, sanft und dauerhaft wieder hergestellt.

Bei komplizierten chronischen Krankheitsfällen ist es oftmals nicht möglich, die Patienten mit einem einzigen Heilmittel völlig zu heilen. Wenn sich während der Konstitutionsbehandlung das Krankheitsbild verändert, muss man überprüfen, ob ein anderes Heilmittel angezeigt ist.

Die Homöopathin oder der Homöopath muss also das Wesen der kranken Person verstehen. Dazu benötigt er viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung, und er sollte, um eine gute Verordnung zu treffen, auch die Heilmittel kennen und ihr Wesen verstehen.

Je besser ein Heilmittel geprüft und durch praktische Erfahrung an Patienten bekannt ist, desto eher kann es konstitutionell eingesetzt werden. Das heisst, grundsätzlich kann jedes Heilmittel zu einem Konstitutionsmittel werden. Immer dann, wenn es eben die Konstitution eines Patienten weitgehend abdeckt.